Eine Frau verschwindet – Benjamin Black, übersetzt von Andrea O’Brien

Das Buch handelt von einer jungen Frau namens April, die von dem einen auf den anderen Tag verschwindet. Doch nur ihre Freundin Phoebe scheint sich Sorgen über ihr Verschwinden zu machen. Phoebe bittet ihren Vater um Hilfe, der Pathologe ist, jedoch mit eigenen Problemen zu kämpfen hat, und daher nur widerwillig Nachforschungen anstellt. Der Krimi spielt in Irland und zeichnet ein eindrückliches Bild von Dublin in den 50ern. Es ist kein klassischer Ermittlerkrimi, wie ich finde, sondern eher ein Psychokrimi, bei dem die Probleme der Figuren im Vordergrund stehen. Anhand der verschwundenen April wird das Verhältnis dieser Personen zueinander beleuchtet und so letztendlich auch Aprils Verschwinden aufgeklärt. Alle Figuren im Buch haben etwas zu verbergen und die Gesamtstimmung ist ziemlich düster. Der tiefgründige Protagonist Quirke, ein ehemaliger Alkoholiker, ist ein facettenreicher Ermittler mit Schwächen wie aus dem Leben gegriffen. Die Auflösung des Kriminalfalls fand ich ziemlich überraschend und war für mich nicht vorhersehbar. Ich fand das Buch sehr spannend. An dieser Stelle auch ein großes Lob an die Übersetzerin, die die feine, unterschwellige Ironie des Romans hervorragend im Deutschen aufgegriffen hat.

Benjamin Black (Autor)/Andrea O’Brien (Übersetzerin)

Eine Frau verschwindet erschienen bei Kiepenheuer & Witsch im August 2012
342 Seiten, 19,99 € ISBN-10: 3462044672