Großer Altersunterschied – oder „dann hast du zwei Einzelkinder“

Heute ist Throwback-Thursday, also quasi ein Rückblende-Donnerstag. Beim Ausmisten im Bücherzimmer fiel mir ein Beitrag in die Hände,  den ich 2006 mal in der Zeitschrift „Young Family“ veröffentlicht hatte. Darin ging es um den großen Altersunterschied zwischen meinen beiden Kindern. Das war kurz nach der Geburt meines Sohnes, der inzwischen fast ein Jahr älter ist, als der Altersunterschied meiner beiden Kinder beträgt. Ich las den Artikel durch und schwelgte wehmütig in Erinnerungen …

Ungefähr um diese Zeit vor knapp dreizehn Jahren starrte ich ungläubig auf einen Teststreifen, der sich langsam verfärbte. 11 ½ Jahre waren seit meiner letzten Schwangerschaft vergangen. Endlich bin ich aus dem Gröbsten raus und dann soll alles noch mal von vorne anfangen? „Bloß nicht!“, war mein erster Gedanke. Ich habe keine Lust mehr auf Windelwechseln und durchwachte Nächte. Mein zweiter: „Aber schön wär’s schon.“ Das ist meine Chance, diese einzigartige Zeit noch einmal zu erleben, diesmal intensiver und bewusster. Sozusagen Erinnerungen wecken, die man längst vergessen glaubte. Mein Mann freute sich. Uneingeschränkt. Die Reaktion meiner Tochter war genauso eindeutig. „Ich hätte lieber einen Hund“, murrte sie. Freunde und Verwandte sagten: „Ihr spinnt. Dann habt ihr zwei Einzelkinder!“ Und: „Hoffentlich denken die Erzieherinnen und Lehrer nicht, ihr seid die Großeltern.“ Kindergeld bis zur Rente.

Das Erstaunliche war, dass meine Kinder zwar zu unterschiedlichen Jahreszeiten zur Welt kamen (ich hab ein Sommerkind und ein Winterkind), aber genau zur selben Uhrzeit. Als hätten sie sich telepathisch abgesprochen :-).

Nach der Geburt meines Sohnes mussten wir uns als Familie neu zusammenraufen. Unser Leben war und ist anstrengend, aber auch schön. Wir versuchen, jeden Augenblick bewusst zu genießen. Viele Erinnerungen wurden wach und werden immer noch wach. Wie meine Tochter immer die Nudeln zuerst mit den Händchen auf den Löffel gelegt hat und dann in den Mund steckte. Genau wie mein Sohn. Immer wenn mein Sohn etwas Neues lernte, fragte meine Tochter gleich: „Wie war das denn bei mir?“ Diese Erinnerungen aufleben lassen, machte Spaß und auch die Birnengläschen schmeckten immer noch gut als Nachtisch.

Trotz des Altersunterschiedes lieben sich meine Kinder heiß und innig. Zwei Einzelkinder? Nö, kann ich nicht sagen. Die beiden machen viel gemeinsam und achten aufeinander. Klar, haben sie auch unterschiedliche Interessen, aber ist das nicht bei allen Geschwistern so?

Natürlich musste unsere Große auch zurückstecken. Mein Sohn wickelte mit seinem Baby-Charme alle ein, was bei meiner Tochter akute Eifersuchtsanfälle hervorrufen konnte. Aber auch das ist doch in einer Familie mit mehreren Geschwistern normal, oder? Das war bei mir und meiner Schwester nicht anders und wir haben „nur“ dreieinhalb Jahre Altersunterschied. Um den Eifersuchtsanfällen entgegenzuwirken, haben  wir die „Elternteil-Tochter“ Zeit eingeführt, in der sie bestimmen durfte, was sie mit Mama oder Papa machen möchte.

Die spezielle Familienzeit haben wir bis heute beibehalten. Sonntag ist Familientag. Denn im hektischen Alltag geht sonst diese Qualitätszeit zu leicht unter. Es gibt ja immer was zu tun. Und da ist es wichtig, jeden Augenblick zu genießen und sich auch die Zeit zum genießen zu nehmen. Sie werden ja so schnell groß. Kaum zu glauben, dass mein Sohn inzwischen zum Pubertier mutiert und meine Große sich eine eigene Wohnung suchen will, seufz. Schon. Wo ist nur die Zeit geblieben …