Hilfe, ich werde wie meine Mutter

Als ich noch jung und unerfahren war, habe ich mir geschworen, dass ich nie so werden würde, wie meine Mutter. Nie wollte ich den Haushalt so gut wie alleine schmeissen, alte Einkaufstüten aufbewahren, weil man sie ja noch mal als Mülleimertüten verwenden kann oder gebrauchtes Geschenkpapier für „Notfälle“ stapeln. Und vor allem wollte ich meine Kinder nie mit solchen Sprüchen traktieren wie: „Wenn Du nicht aufisst, gibt es morgen schlechtes Wetter.“ Oder „Pass auf, wenn die Uhr schlägt, dann bleibt Dein Gesicht mit dieser ekligen Grimasse für immer so.“

Ein paar Jahre habe ich mich auch gut gehalten. Ich war die „Rebellin“, die ihren Ehemann zwang, im Haushalt mitzuhelfen. Zum Entsetzen meiner Schwiegermutter. Am liebsten ließ ich ihn die Sachen machen, die mir am meisten verhasst waren –  Fenster putzen und Staubsaugen.

Ich war diejenige, die Geschenkpapier sicherheitshalber gleich in die Mülltonne beförderte statt es zu bügeln, um es nochmal zu verwenden. Und statt Plastiktüten nahm ich zum Einkaufen einen Korb. Das war eh umweltfreundlicher. Doch dann kam unsere Tochter auf die Welt und eines Tages passierte es. Meine Große pantschte gerade mit dem Löffel im Spinat herum.

Ich: „Pansch nicht im Spinat.“

Kind: „Warum nicht?“

Ich: „Das sieht unschön aus und spritzt und ist außerdem unhöflich. Man haut sein Essen nicht.“

Kind: „Es macht aber doch Spaß und überhaupt mag ich gar keinen Spinat.“

Ich: „Den musst du aber essen.“

Kind: „Warum?“

Ich: „Weil er gesund ist.“

Kind: „Warum ist er gesund?“

Ich: „Darum. Und jetzt spiel nicht mit dem Essen, sonst gibt es kein schönes Wetter.“

Lieber Himmel, was war mir denn da rausgeruscht?! Ich hörte ganz deutlich die Stimme meiner Mutter aus dem OFF. Von diesem Tage an stellte ich immer öfter fest, dass ich Mutters Weisheiten an mein Kind weitergab. „Zieh dir eine Mütze auf, damit Du dich nicht erkältest.“ „Schling nicht so, sonst bekommst Du Bauchweh“ oder „Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist“. ;-)

Bin ich etwa wie meine Mutter geworden?  Und mein inneres Ich antwortet laut und vernehmlich: „Nein, bin ich nicht! Und selbst wenn ich ein paar Marotten von ihr übernommen haben sollte, was soll’s? Meine Mutter ist toll!“ Und vielleicht wollte ja auch sie nie so werden wie ihre Mutter …