Simsaladschinn-Countdown – Platz 5: Zauberspruchsprache

 Lebisni nib chi.

Das ist einer der Zaubersprüche aus dem Buch. Übersetzt heißt das: Ich bin unsichtbar! Der Satz passt auch irgendwie zu mir, denn als Autorin und Übersetzerin bin ich normalerweise unsichtbar. Ich verstecke mich hinter den Buchstaben und schlüpfe in die Rolle meiner Protagonisten. Und die zaubern auch manchmal. So wie Amanda.

Damit sich Zaubersprüche magisch anhören, braucht man eine besondere Sprache dafür. Es gibt ja supertolle Geheimsprachen in Kinderbüchern, zum Beispiel die Räubersprache der „Weißen Rose“ aus Kalle Blomquist,  wo man einfach jeden Mitlaut verdoppelt und ein „o“ dazwischenhängt. Das liest sich dann ungefähr so: Soimosoloadosocohoino für Simsaladschinn. Das war mir allerdings zu kompliziert. Ich bekam bei einigen Wunschspruchversuchen einen Knoten in die Zunge. Es musste also etwas anderes her. Ich bin Übersetzerin und da lag die Wahl, einfach eine andere Sprache zu nehmen, nahe. Zuerst dachte ich an Französisch, dann an Latein, doch irgendwie erschien mir das zu einfach und ja, langweilig. Daran war nichts Geheimnisvolles. Ich wollte eine eigene Sprache erfinden. Meine Kinder brachten mich schließlich auf die Lösung. Sie hatten sich eines Tages beim Frühstück einen Spaß draus gemacht, alle Wörter umzudrehen. Aus: „Gib mir mal bitte die Butter“ wurde Rettub eid ettib lam rim big“. Perfekt, fand ich. Doch irgendwie fehlte mir noch das gewisse magische Flair. So ein Zauberspruch braucht ja auch einen Auslöser und da ein Flaschengeist märchengemäß keinen Zauberstab hat, musste etwas anderes her. Gut, der gewöhnliche Flaschengeist verschränkt vielleicht die Arme. Amanda fand das jedoch zu altmodisch. Sie sei ein moderner Flaschengeist und schließlich lebe sie ja nicht mehr in Tausendundeiner Nacht, zischte sie mir ins Ohr. Ich grübelte also weiter und beschloss, ihr das Wunschzaubern nicht ganz so einfach zu machen. Es wäre doch bestimmt lustig, wenn sie sich statt einer Geste mehrere merken müsste und diese manchmal vielleicht verwechselt . Wenn sie beispielsweise versehentlich mit der Nase statt mit den Ohren wackelt und schwupps steht statt einer Flasche Milch eine ganze Kuh im Zimmer. Außerdem sieht es lustig aus, wenn man mit den Augenbrauen oder der Nase wackelt oder mit dem Finger schnippt und dabei rückwärts brabbelt. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte auch zaubern. Meistens dann, wenn ich Nachrichten schaue, und manchmal auch nur, wenn die Sonne scheint und den Schmutz auf den Fenstern wunderschön in Szene setzt. Welchen Zauberspruch würdest Du gerne beherrschen?