Supermütter und Superkinder

Kennst Du schon das Spiel „Kinder vergleichen“? Für 2 und mehr Supermütter, gespielt werden kann überall und jederzeit. Auf dem Spielplatz, beim Kaffeekränzchen, in der Krabbelgruppe, auf dem Kindergeburtstag, im Supermarkt. Hier sind die Spielregeln: Eine Mutter beginnt und fragt zum Beispiel: „Geht deiner schon aufs Töpfchen? Also meine war ja schon mit 11 Monaten sauber.“ Und sogar Großeltern oder Bekannte mit erwachsenen Kindern versuchen das Gesagte noch zu überbieten. „Also, als meiner so klein war, da ….“

Worauf die andere Mutter versucht, das eben gehörte noch zu toppen. Und wenn sie es nicht toppen kann, hat sie verloren und fühlt sich als echte Rabenmutter. Kaum zu vermeiden, dass unter Müttern das Gespräch irgendwann auf die Fähigkeiten der lieben Kleinen kommt. Warum ist das so? Warum sind Mütter ewig im Konkurrenzkampf? Wieso ist es so toll, wenn Kinder immer schneller, weiter und geschickter sind als die Kinder anderer Mütter? Warum fällt es uns so schwer zuzugeben, dass eben nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Oder zu sagen: „Gut, der Maxi geht noch nicht aufs Töpfchen. Aber das ist auch nicht schlimm, er lernt es schon noch. Dafür kann er wunderbar malen.“

Ich geb zu, ich ertappe mich auch manchmal bei solchen Vergleichsspielen. Sei es bei den Zensuren in der Schule oder auch schon mal bei Sportwettkämpfen. Obwohl  wir  doch eigentlich alle wissen, dass jedes Kind individuell ist und sich eben auch individuell entwickelt. Und dennoch machen wir uns gegenseitig mit solchen Vergleichen das Leben schwer. Wir sorgen uns, wenn unser Kleiner etwas hinterherhinkt und eben noch nicht so gut malt oder spricht wie das Nachbarkind.

Dient das „Kinder-Vergleichen“ der Selbstbestätigung, weil wir von allen Seiten eingeimpft bekommen, wir müssen „Supermamas“ sein? Oder wollen wir uns insgeheim vielleicht auch beruhigen, so nach dem Motto „Ach, die Mutter vom Paul hat erzählt, dass er auch ständig Wutanfälle hat, ich muss mich also nicht sorgen, wenn Klein-Tobi mal wieder auf Rumpelstilzchen macht.“

Sei es wie es will, ich mag auf jeden Fall nicht mehr mitspielen und mich mit Supermüttern vergleichen. Wenn jemand versucht, das Spiel zu beginnen, antworte ich nur noch: „Ach ja, wie schön.“ Denn unsere Kinder sind unvergleichlich und einzigartig!