Tommy zählt Schäfchen zum Hören

Neulich, als ich durchs Netz stöberte, machte ich eine schöne Entdeckung. Auf der Seite des Schauspielers und Sprechers Holger Franke stieß ich auf meine Gute-Nacht-Geschichte „Tommy zählt Schäfchen“, die 2008 im Buch „365 Gute-Nacht-Geschichten“ im Helmut Lingen Verlag erschienen ist. Herr Franke hat einen Ausschnitt der Geschichte ganz wunderbar vertont. Wer gern reinhören möchte, hier geht’s zur Seite von Holger Franke, dort einfach auf „Gute Nacht“ klicken.
Und wer die Geschichte gern ganz lesen möchte, bitte sehr: Viel Spaß!

Tommy zählt Schäfchen
Jeden Abend im Bett stellt sich Tommy vor, wie zehn Schafe hintereinander über einen Zaun springen.
Tommy zählt: „Ein Schaf, zwei Schafe, drei Schafe …“ Doch als er gerade „vier Schafe“ sagen will, hört er eine Stimme.
„He du, da“, sagt die Stimme. „Musst du eigentlich jeden Abend Schafe zählen?“
Verwundert schaut sich Tommy im Zimmer um.
„Hier bin ich, Schaf Nummer Vier, und ich sitze auf deiner Bettdecke.“
Tatsächlich. Auf Tommys Bettdecke sitzt ein kleines, weißes, wolliges Schaf.
„Ich möchte abends auch schlafen und nicht über Zäune springen“, sagt es.
Tommy schaut verdutzt. „Ja, aber wie soll ich denn einschlafen, wenn ich keine Schafe zähle?“
„Oh Mann“, antwortet Nummer Vier. „Zähl halt etwas anderes. Jedes Schaf hat ein Recht auf Schlaf.“
„Also gut“, sagt Tommy. „Ich kann’s ja mal probieren.“ Und er überlegt, was er stattdessen zählen könnte. Seine Lieblingstiere sind Elefanten. „Ein Elefant…“, zählt Tommy. „Trööt!“, macht der Fantasie-Elefant und poltert durchs Zimmer.
„Zwei Elefanten…“ Der zweite Elefant stapft trompetend hinter dem ersten her.
„Schaf Nummer Vier, die Elefanten sind viel zu laut. Wie soll ich denn dabei einschlafen?“
„Herrje“, sagt das Schaf. „Dann zähl doch einfach Schnecken. Die sind ganz leise.“
Und Tommy zählt: „Eine Schnecke…“. Dann sagt er lange, lange gar nichts.
Das Schaf schaut ihn verwundert an. „He, warum zählst Du nicht weiter?“
„Geht nicht“, antwortet Tommy. „Die Schnecken sind so langsam. Die zweite ist noch nicht in Sicht. Das ist doof, ich möchte viel lieber Schafe zählen.“
„Ich möchte aber schlafen“, sagt das Schaf. „Und meine Freunde auch.“ Die Schafe Eins, Zwei und Drei auf Tommys Bett nicken heftig.
„Also, was machen wir jetzt?“, meint Schaf Nummer Zwei.



Tommy überlegt, und überlegt, und überlegt. Vor lauter Nachdenken runzelt er die Stirn. Die Schafe kauen derweil ungeduldig auf der Bettdecke herum.
Schließlich ruft Tommy: „Ich hab’s! Ich zähle einfach schlafende Schafe. Dann könnt ihr schlafen und ich kann zählen.“
„Gute Idee!“, sagt Schaf Nummer Vier und macht es sich auf der Bettdecke gemütlich.
„He, du bist noch nicht dran“, ruft Schaf Nummer Eins. „Los, Tommy, fang an.“
„Ein schlafendes Schaf“, zählt Tommy und Schaf Eins legt sich zufrieden hin.
„Zwei schlafende Schafe.“ Schaf Zwei schnarcht selig auf der Bettdecke.
„Drei schlafende Schafe.“ Schaf Drei schließt die Augen.
„Gute Nacht, Nummer Vier“, gähnt Tommy.
„Gute Nacht“, antwortet das Schaf und kuschelt sich in Tommys Arm.

aus „Unser Sandmännchen – 365 Gute-Nacht-Geschichten“erschienen im Helmut Lingen Verlag, Köln 2008
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