Von Schreibtypen und Herumgetiger

Zunächst einmal ein wundervolles, sorgenfreies neues Jahr mit vielen schönen Stunden wünsche ich Dir!
Mein Jahr fängt mit dem Schreiben eines neuen Kinderbuches an. Und dabei habe ich mal wieder gemerkt – ich bin ein Chronologieschreiber.
Hä, was bist Du?, fragst Du jetzt vielleicht.

Unterschiedliche Autorentypen
Also das ist so. Wie jeder weiß, gibt es verschiedene Autorentypen.
Da sind zum Beispiel die KopfschreiberInnen – also akribische Planer, die die Handlung bis ins Detail ausarbeiten, Figurenbögen und Mind Maps erstellen und jederzeit einen genauen Überblick über ihre Geschichte haben. Andere sind BauchschreiberInnen, die einfach drauf los schreiben und sich schlicht von der Geschichte treiben lassen. Dann gibt es wiederum eine Mischung aus Kopf- und Bauschreiber. Es gibt Autoren, die im Café, in der Bahn, im Garten oder wo auch immer schreiben können. Ja, es soll sogar Autoren geben, die einzelne Szenen schreiben und sie dann wie Puzzlestücke in der Geschichte hin- und herschieben und Platzhalter lassen, wenn sie an einer Stelle nicht weiterkommen.
Ich kann das nicht. Ich kann weder im Café noch im Garten oder der Bahn schreiben. Es könnte ja zufällig jemand sehen, was ich da verzapfe, bevor es druckreif ist. Peinlich, peinlich ;-). Ich schaffe es auch nicht, mir einen gezielten Plan von meiner Geschichte zu machen oder mit Mind Maps zu arbeiten. Dabei schweift meine Fantasie immer in andere Gefilde ab und ich komme vom Hölzchen aufs Stöckchen, wie es so schön heißt.

Ich kann nur chronologisch
Wenn ich eine Idee zu einer Geschichte habe, dann wälze ich sie im Kopf hin und her, bis ich eine grobe Vorstellung habe, worum es geht, womit es anfängt und womit es endet. Dazu mache ich mir Notizen. Auch Ideen für einzelne Szenen, die mir beim Einkaufen, Schreiben, Fernsehen, beim Kaffeeklatsch oder sonst einfallen, notiere ich mir auf was auch immer mir gerade in die Hände fällt – benutzte Briefumschläge, Zettelblocks, Zeitungen … Wenn dann allmählich ein Film vor meinem inneren Auge abläuft und die Anfangsszene sich klar herausgeschält hat, fange ich an zu schreiben. Solange, bis ich zu einer Stelle komme, an der ich nicht recht weiter weiß. Und da kommt mein chronologisches Schreibsyndrom ins Spiel. Ich kann keine Lücken lassen. Ich kann nicht sagen: „Gut, im Moment fällt mir dazu nichts Gescheites ein, mach ich erst mal mit der nächsten Szene oder einer anderen Perspektive weiter.“ Geht nicht. Die totale Blockade. Ich muss chronologisch schreiben, so, wie die Geschichte eben zeitlich ablaufen würde. Kapitel für Kapitel.

Was tun, wenn’s mal nicht weitergeht?
Was mache ich also, wenn ich mal nicht weiterkomme? Ich tigere durchs Haus – vom Arbeitszimmer ins Wohnzimmer in die Küche und zurück und wieder von vorn –, bis mir einfällt, wie es weitergeht. Alternativ hilft auch Spazierengehen.
In solchen Tigerphasen neige ich auch gern mal zum Fensterputzen, Wäsche sortieren, Schrank ausmisten – alle möglichen Arbeiten, bei denen man gut nachdenken kann. Je langweiliger, desto besser. Denn Langeweile zündet die Kreativität.
Und wenn gar nichts mehr geht, lege ich mich in die Badewanne und starre an die Decke oder setze mich aufs Sofa und starre in eine Kaffeetasse. Das hat eine unglaublich meditative Wirkung ;-). Und wenn das immer noch nicht hilft, esse ich was. Vorzugsweise Schokolade. Denn Kauen soll ja angeblich das Gehirn anregen und die Konzentration steigern. Hab ich mal irgendwo gelesen. Ob’s stimmt, keine Ahnung. Ich bilde es mir zumindest ein :-).

Ich wünsche Dir wundervoll, erholsam-langweilige, kreativitätsfördernde Stunden, ob mit oder ohne Schokolade!