Von der Idee zum Kinderbuch – Ideen ausarbeiten

Von der Idee zum Kinderbuch – in sieben Schritten

Ich schreib dann mal ein Kinderbuch – das klingt einfach. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Wie beim Erwachsenenbuch sollte man einen Plan haben, wie man’s angeht. Denn auch beim Mein Plan hat dabei sieben Schritte:

  1. Idee finden
  2. Idee ausarbeiten/Plotentwicklung
  3. Figurenentwicklung
  4. Exposé erstellen
  5. Recherche
  6. Schreiben
  7. Überarbeiten, überarbeiten, überabeiten

Danach war es dann erst mal mit dem Alleingang, denn steht die Buchfassung, geht es weiter mit Cover und Illustrationen, Lektorat, Korrektorat, Formatierung und Layout, Veröffentlichen und Vermarkten. Und dazu holt man sich am besten Leute mit ins Boot, die sich damit auskennen :-).

Aber wie schreibt man denn nun ein Kinderbuch in der Praxis?

Aller Anfang ist die Idee -woher kommen die Ideen

Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber ich finde tatsächlich, dass Ideen von überallher kommen können. Manchmal reicht schon ein aufgeschnappter Satz oder ein Bericht in einem Zeitungsartikel, ein Erlebnis, das man gehabt hat. Manchmal begebe ich mich auch mit der Frage „Was wäre, wenn?“ auf Ideensuche.

Wie Du herausfindest, ob Deine Idee zum Buch taugt

Du hast eine tolle Idee, weißt aber nicht, ob sie zum Buch taugt und genug für eine ganze Geschichte hergibt. Wie findest Du das heraus?

Antwort: Indem Du die Idee ausarbeitest und einen Plot entwickelst. Dafür gibt es unzählige verschiedene Methoden. Drei möchte ich Dir vorstellen:

1. Mindmapping

Die Idee stammt von Tony Buzan, der eine bildhafte Textlandkarte schaffen wollte, damit man sich Inhalte leichter einprägen kann. Mindmapping für Buchideen funktioniert so: Schreib Deine Idee in die Mitte. Überlege, was Dir noch dazu einfällt. Das können Stichworte für Szenen sein, einzelne Satzfetzen, Unterthemen, Wendepunkte. Diese verbindest Du mit einzelnen Linien mit dem Hauptthema. Deine Stichworte können wirder Unterstichworte haben und so weiter. Ganz wichtig: Nichts verwerfen. Erst mal alles aufschreiben, was Dir einfällt. Aussortieren kannst Du später immer noch. Das Mindmapping ist übrigens auch eine prima Lerntechnik. Auf Lernförderung gibt es einen Beitrag dazu.

2.  Die Schneeflockenmethode

Die wurde von dem Autor Randy Ingermanson entwickelt. Es ist ein 10-Schritte-System, mit dem Du Deiner Idee gründlich auf den Zahn fühlst. Im ersten Schritt fasst Du Deine Idee in einem Satz zusammen. Ja, genau – nur ein Satz :-). Danach erweitert man die Idee auf einen Absatz mit fünf Sätzen.  Randy Ingermanson empfiehlt dazu, dass man sich drei Katastrophen/Probleme/Wendepunkte und das Ende dafür nimmt. Stell Dir einfach vor, Du schreibst einen Klappentext für Dein Buch. Der ist später auch nützlich fürs Exposé, das Du an Verlage schicken willst. In Schritt 3 kümmerst Du Dich um Deinen Hauptcharakter. Wie heißt er oder sie, was ist sein Problem am Anfang, was ist sein Ziel, was ist seine Motivation.

Bei Simsaladschinn wäre das zum Beispiel: Ein Satz: Ein Flaschengeistmädchen hat keine Lust, Menschenwünsche zu erfüllen.

erweitert auf 5 Sätze: Dann wird jedoch ihr Freund entführt (Katastrophe 1). Nur ein Mensch kann ihr helfen, ihn zu befreien.  Allerdings verliert sie ihre Zauberkraft (Katastrophe 2). Und gerät auch noch selbst in die Hände der Entführer (Katastrophe 3). Zum Glück kann ihr Menschenfreund Jonas ihr durch Einfallsreichtum und Mut helfen (Ende).

Diese ersten drei Schritte der Schneeflockenmethode reichen meist schon aus, um Deine Idee auf Tauglichkeit für eine Geschichte zu prüfen. Wenn Du gern ganz genau vorplanst, kannst Du auch die anderen Schritte befolgen. Eine Anleitung in Deutsch findest Du überall im Internet, beispielsweise hier bei der Schreibtrainerin Annette Huesmann. Ich werde beim Thema Exposé aber auch noch einmal drauf eingehen.

3. Die Journalisten-Frage-Methode

Zeitungartikel beantworten 6 Fragen: Wer? Was (passiert)? Wo? Wann? Wie? Warum? Diese Fragen kannst Du auch ganz leicht nutzen, um Deine Buchidee auf Geschichtentauglichkeit zu prüfen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge :-). Anfangen kannst Du beispielsweise mit Deiner Was wäre wenn-Frage. Bei „Simsaladschinn“ war das bei mir die Frage „Was wäre, wenn ein Flaschengeist keine Lust hat, Wünsche zu erfüllen? Und schon geht es weiter zur nächsten Frage: Warum hat er oder sie keine Lust? Wie soll sich die Geschichte entwickeln? Was soll Deine Figur aus ihren Erlebnissen lernen, was passiert und warum? Und wer ist überhaupt Dein Hauptdarsteller.

Ganz wichtig für alle Methoden! Beim Ideen ausarbeiten ist erst einmal alles erlaubt, egal ob es im Moment logisch erscheint oder nicht. Schränk Dich beim Brainstormen nicht ein. Aussortieren kannst Du später immer noch.

Wenn Du Deine Idee ausarbeitst, merkst Du ganz schnell, ob sie zur Geschichte taugt, und vor allem auch, ob Du Lust hast, sie aufzuschreiben. Denn wenn Du weißt, warum Du ausgerechnet diese Idee, diese Geschichte aufschreiben willst, dann läuft es meist ganz von allein. Vor allem aber musst Du Dich mit Deiner Idee identifizieren können. Sie muss Dir Spaß machen, damit Du ein Buch schreiben kannst, das Du auch selbst gern lesen möchtest.

Ich bin eher Bauchschreiber, das heißt, ich plane nur grob vor. Also Schritte 1 bis 3 der Schneeflockenmethode, Inhaltsangabe und dann noch einen groben Kapitelplan. Ich finde es wichtig, den Anfang und das Ende einer Geschichte zu kennen. Wenn man Start und Ziel kennt, macht das die Orientierung leichter. Und keine Sorge, eingeschränkt bist Du dadurch trotzdem nicht. Denn auf dem Weg zum Ziel kann man immer noch viele Überraschungen erleben und die gibt es beim Schreiben eigentlich immer. Ich sag nur, sich verselbständigende Figuren ;-).

Was ist mit Dir: Hast Du auch eine Idee für eine Geschichte? Dann schreib sie doch auf und arbeitete sie aus. Ich wünsche Dir viel Spaß dabei!

 

Weitere Schritte meines Planes – demnächst: Figurenentwicklung – fühl Deinen Darstellern auf den Zahn