Vor uns das Leben – Amy Harmon

In den vergangenen Monaten habe ich zum ersten Mal ein Buch gemeinsam mit einer Kollegin übersetzt. Der Grund war ein ziemlich enger Abgabetermin. Zum Glück kenne und schätze ich Jeannette Bauroth, die Kollegin, mit der ich das Projekt gemeinsam stemmen sollte, schon seit Längerem aus Seminaren und auch privat. Nun sollten wir also zum ersten Mal zusammen ein Buch übersetzen. Was sich schwierig anhört, war dann in der Praxis doch produktiver als anfangs gedacht. Das liegt zum einen daran, dass Jeannette und ich ziemlich auf einer Wellenlänge liegen und wir uns bei Meinungsverschiedenheiten schnell einig wurden, zum anderen, dass die Figuren einen starken Wandel durchmachen.
Aus diesem Grund haben wir beschlossen, das Buch nach Kapiteln aufzuteilen. Jeannette hat die erste Hälfte bearbeitet, vor dem einschneidenden Erlebnis, ich die zweite – das Danach.
Doch damit war es natürlich nicht getan. Wir haben jede die Kapitel der anderen gelesen und auch lektoriert, Verbesserungen am Text der jeweils anderen vorgenommen (was auch großes Vertrauen erfordert :-)), endlos viele Kommentare gemacht, gemeinsam Ringerbegriffe recherchiert (ja, wir kennen uns in diesem Sport jetzt ziemlich gut aus ;-), verschiedene „geschmackliche“ Übersetzungsmöglichkeiten aufeinander abgestimmt (z.B. zuckte die Schultern/zuckte mit den Schultern; Haar/Haare) und so sichergestellt, dass aus zwei getrennt angefertigten Übersetzungen wieder ein Buch aus einem Guss wird.
Danach haben wir jede für sich das Buch noch einmal ganz gelesen und den letzten Feinschliff vorgenommen. Wieder in Abstimmung miteinander. Der Mailverkehr lief heiß :-).
Natürlich waren wir uns nicht immer einig, dann galt es Kompromisse zu finden. Aber auch gerade das gemeinsame Besprechen des Buches,  das Austauschen der Gedanken über den Stil der Autorin und das Zwischen-den-Zeilen-lesen, das Fragen „wie siehst Du das?“ und auch schon mal das „jawoll, genau das ist es“, wenn die Kollegin mit einem noch besseren Vorschlag um die Ecke kam, wo man vor lauter Textblindheit selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen hat, war sehr bereichernd und in Anbetracht des engen Zeitrahmens für die Qualitätssicherung auch unerlässlich.

Es ist wirklich ein sehr schönes, bewegendes Buch, das mich beim Übersetzen zu Tränen gerührt hat, was auch eher selten vorkommt ;-). Und es ist sogar schon in der Vorschau von Egmont-Ink drin. Es heißt „Vor uns das Leben“ von Amy Harmon (Originaltitel: „Making Faces“). In dem Buch geht es um Ambrose, den Star der Highschool, der Held einer ganzen Stadt. Er scheint alles zu haben – und doch kämpft er mit Problemen, die der Außenwelt verborgen bleiben. Dann ist da noch Bailey, der Junge im Rollstuhl. Er ist krank, weiß, dass er sterben wird. Und er lebt jeden Tag seines Lebens, als wäre es sein letzter. Und Fern, die schlau ist, aber nicht hübsch, und trotzdem in allem um sich herum das Schöne erkennt.
Fern, Bailey und Ambrose. Drei Jugendliche in einer Kleinstadt in den USA, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Drei Jugendliche, die dachten, sie wüssten, was das Leben für sie bereithält. Und denen das Schicksal in die Quere kommt …

Im Herbst wird das Buch bei Egmont-Ink erscheinen und ich freue mich schon sehr darauf und hoffe, ihr werdet genauso viel Freude beim Lesen haben wie Jeannette und ich beim Übersetzen.